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16/07 2006
 "Jetzt wollen wir erst mal beten"
Jetzt wollen wir erst mal beten"

Wie halten Sie es mit der Religion? Und mit Tischgebeten bei Geschäftsessen? Ein Handelsblatt-Leser schilderte kürzlich, was ihm mit einem Geistlichen geschehen war, und wollte wissen, ob er etwas falsch gemacht hatte.

Wie halten Sie es mit der Religion? Und mit Tischgebeten bei Geschäftsessen? Ein Handelsblatt-Leser schilderte kürzlich, was ihm mit einem Geistlichen geschehen war, und wollte wissen, ob er etwas falsch gemacht hatte.

Der Jurist saß beim Mittagessen während eines Kongresses neben einem hohen kirchlichen Würdenträger. In bester Absicht wünschte er dem Geistlichen "Guten Appetit" und wollte beginnen zu essen. Doch der reagierte völlig unerwartet. Statt den Gruß zu erwidern, wies er den Wunsch seines Tischnachbarn brüsk zurück: "Jetzt wollen wir doch erst einmal dem Herrgott danken." Und sprach ein Tischgebet.

Dem so Angeherrschten war der Appetit vergangen. Er fühlte sich so, als stehe er ganz tief im Fettnapf. Dabei hatte der Jurist nichts falsch gemacht. Bis auf die Nebensächlichkeit, dass man bei offiziellen Essen keinen "Guten Appetit" wünscht. Zum einen darf auch ein hoher Geistlicher andere nicht so maßregeln. Zum anderen ging es um Religionsausübung - und damit um etwas ganz Persönliches, Privates. Hinzu kommt, dass der Geistliche nicht einmal wusste, welcher Konfession der Jurist angehörte. Oder ob er aus der Kirche ausgetreten war.

Tischgebete sind mir von offiziellen Geschäftsessen in den Vereinigten Staaten, aber auch in Jamaica vertraut. Doch in Europa kommen sie kaum vor. Die Benimmregel aber für den Geschäftskontakt lautet: Gib deinem Gegenüber - insbesondere dem Gastgeber - ein gutes Gefühl. Es ist absolut korrekt, wenn Menschen ihr eigenes Tischgebet sprechen. Aber es sollte nicht in eine Demonstration ausarten und schon gar keine Aufforderung an alle darstellen. Jede unsensible Reaktion, gerade bei den Themen Religion und Politik, kann zu einem emotional aufgeladenen Tischgespräch führen. Und das ist ein Albtraum für jeden Gastgeber und eine Bankrotterklärung an die Idee eines Geschäftsessens zur Kontaktpflege. Deshalb bestimmen die Interessen des Gastgebers den Ton, und jeder höfliche Gast wird sich daran halten.

Wie der Jurist am besten aus der Situation herausgekommen wäre? Indem er die Bemerkung des Geistlichen überhört hätte und die Gesprächsvorlage gar nicht erst annimmt. Contenance ist angesagt sowie der elegante Übergang zu einem professionellen Gespräch. Wer dies ohne Unterton oder abwertende Mimik beherrscht, ist auch international ein perfekter Firmenrepräsentant. Und so kann auch ein Gastgeber oder Miteingeladener zur Rettung beitragen - durch Themawechsel.

Darf ich in Meetings mein Gegenüber unterbrechen? Wen muss ich im Mailverkehr auf "cc" setzen, wenn ich ein neues Projekt angehe? Unsere Business-Behaviour-Expertin Gabriele Schlegel antwortet auf Ihre ganz persönlichen Fragen und gibt Tipps - schreiben Sie ihr: hb.behaviour@vhb.de .

Von Gabriele Schlegel
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 "Und wie viel hat das gekostet?"
gefunden in:handelsblatt.com vom 17.03.2006
Der Personalchefin blieb die Spucke weg. Im Aufzug begegnete sie der neuen Mitarbeiterin der Rechtsabteilung, und die machte ihr zuerst ein nettes Kompliment: "Sie tragen einen sehr schönen Hosenanzug." Bis dahin ganz regelgerecht, fast wie amerikanischer Small Talk - es dient halt der Überbrückung der Stille im Aufzug. Doch dann kam's: "Der war sicher auch nicht billig." fuhr sie fort. Und setzte gleich noch eins oben drauf: "Mit meinem Budget hätte ich mir den nicht leisten können." Und genau da wurde deutlich jede Distanzzone überschritten.

Preise erfragen ist ohnehin ein heikles Thema. Allenfalls die Rheinländer gehen mit dieser Frage recht offen und ungeniert um, witzelt auch immer wieder der Kabarettist Konrad Beikircher, wenn er sie imitiert: "Watt soll datt dann kosten?" Und schon eine Frage nach dem Preis eines Kleidungsstücks, einer Aktentasche oder einer Uhr empfinden Menschen in anderen Regionen unseres Landes als Unverschämtheit. Nicht so der Rheinländer, der am liebsten gleich versichert, dass es schrecklich preiswert und ein Schnäppchen war. Auch international sieht es so aus: In einigen Regionen Chinas kann die Frage nach dem Preis sogar als Wertschätzung empfunden werden. Auch in den USA ist Geld nicht unbedingt ein Tabuthema.

Doch zurück zur Personalchefin: Diese Bemerkungen der jüngeren Mitarbeiterin zeigten vor allem eins - und das bemerkenswert unverhohlen: den blanken Neid. Nur wie damit umgehen? Zunächst einmal ist es in so einer Lage immer möglich, so eine unangenehme Frage zu überhören. Einfach etwas komplett anderes antworten mit einem Themawechsel wie "Ja, nicht wahr, mögen Sie auch Karo-Muster so gerne leiden?" Geben Sie den Ahnungslosen.

Oder Sie beweisen Interesse an den jungen Kollegen und für die Firma und belehren auch mal. Das kann aber nur derjenige machen, der hierarchisch höher angesiedelt und zudem der Ältere ist. Früher hätte sich ein althergebrachter Lehrmeister diese Frage nicht gestellt, sondern unvermittelt seiner Empörung Luft gemacht - und der Lehrling hätte etwas gelernt. Doch diese Zeiten sind vorbei, und junge Mitarbeiter bekommen selten die Chance, neben beruflichen Erfahrungen auch Regeln des Sozialverhaltens zu erlernen. Die Mühe macht sich heute keine Firma mehr, man trennt sich lieber nach der Probezeit oder befördert jemanden weg - und der Betroffene erfährt nie, dass es nicht an mangelnder fachlicher Kompetenz lag, sondern am unangemessenen Sozialverhalten.

Schwieriger wird es, wenn solche Verbalattacken von Vorgesetzten kommen. Ich rate auch hier zum Überhören - und nicht darauf einzugehen. Sonst ernten Sie - wenn Sie Pech haben - am Ende nur noch einen dummen Spruch obendrein nach dem Motto: "Sie verdienen hier wohl zu gut."

GABRIELE SCHLEGEL ist Dozentin für Business Behaviour an der FH Bonn-Rhein-Sieg.

Schlegel, Gabriele
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 Beleidigen war im Preis gar nicht inbegriffen
gefunden in. handelsblatt.com vom 3.3.2006

Beleidigen war im Preis gar nicht inbegriffen

GABRIELE SCHLEGEL Häufig erwischt es die Mitarbeiter in Sandwich-Positionen. Sie müssen sich als Prügelknabe anblaffen lassen für etwas, das sie nicht zu verantworten haben. Ähnlich wie der Bote, der für die schlechte Nachricht gehenkt wird. Es sind die Mitarbeiter, die zwar schon eine Führungsposition haben - im günstigen Fall jedenfalls. Oder - im ganz ungünstigen Fall - die etwas koordinieren müssen, und nur "Bitte, bitte" sagen können - aber eben nichts par ordre du mufti veranlassen dürfen. Die sind arm dran. Sie müssen die Anweisungen von oben weitergeben oder können die Erwartungen der Chefs nur mit Hilfe der anderen erfüllen. Hinzu kommt: Diese Aufträge erfreuen diese anderen nur selten. Sie sollen mal eben Zusatzaufgaben erfüllen, noch ein paar Überstunden dranhängen und am besten gleich ihre derzeitige Arbeit so einfach stehen und liegen lassen.

Dann passiert so Unangenehmes wie dies, was kürzlich meine Freundin in einem Konzern erlebte. Sie musste Leuten außerhalb der Zentrale Leistungen abringen - und das unter Zeitdruck. Ob diese Aufgaben sinnvoll und gut waren oder nicht, steht auf einem anderen Blatt - jedenfalls bekam meine Freundin wieder mal alles ab: Wenig professionell bekam sie die Schimpfe für alles Mögliche. Die Betroffenen beklagten sich dann nicht nur über diese konkrete Aufforderung, sondern nahmen die Gelegenheit wahr, eine ganze Schimpfkanonade abzulassen: "In der letzten Zeit geht das hier alles zu weit, wie denkt ihr euch das in der Zentrale eigentlich ..." Und so weiter und so weiter.

Die Kollegen verwechselten den Verursacher mit dem Überbringer der schlechten Nachricht. Was jedenfalls in so einem Fall nie hilft, ist der Satz "Entschuldigen Sie bitte, ich habe mir das nicht ausgedacht. Ich gebe die Vorgaben nur weiter." Schwupps, hat man sich noch tiefer in die Defensive hineinmanövriert.

Gegen so viel Unhöflichkeit hilft aber nur eins - nachdem man den anderen ein wenig hat murren lassen: "Halt, stopp, ich bin nur der Überbringer und möchte mir keine Beschimpfungen anhören." Oder: "Ich beende jetzt das Telefonat, weil ich diese Reaktion nicht verdient habe." Oder: "Ich wünsche mir etwas mehr Professionalität und Respekt." Das sollte den Gegenüber zur Vernunft bringen und ihn bewegen, sich für seinen Ausraster zu entschuldigen.

Wirkliche Profis gestatten sich diese Eklats gar nicht erst, sondern setzen die Aufgabe erst mal so gut wie möglich um. Und beschweren sich über Überforderungen oder Aufträge zum falschen Zeitpunkt später - bei der richtigen Adresse.

Schlegel, Gabriele
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10/02 2006
 Verstehen Sie manchmal auch nur noch Bahnhof?
gefunden in: handelsblatt.de vom 10.2.2006

Business Behaviour
Die ganze Runde nickte einvernehmlich – und der Vorgesetzte redete und redete und redete. Nur eins entging ihm im Eifer des Gefechts: Seine Mitarbeiter hatten längst den Anschluss verloren. Sie saßen um ihn herum, guckten interessiert, nickten höflich – und schwiegen. Erst nach dem Meeting tauschten sich Einzelne untereinander aus. Erst dann trauten sie sich – unter vier Augen –, zuzugeben, dass sie nichts verstanden hatten. Schade.

Und leider typisch. Schuld waren ein paar Fachbegriffe und -worte aus dem Englischen. Ob der Chef sie absichtlich einstreute, um seine Kompetenz zu beweisen oder weil sie für ihn einfach selbstverständlich waren, mag dahin gestellt bleiben. Jedenfalls wollte sich keiner seiner Leute die Blöße geben und nachfragen.

Eine Blöße? Mitnichten. Passiert dasselbe im privaten Leben, wäre das Schweigen unhöflich. Weil es unhöflich ist, einen anderen reden zu lassen, obwohl man gar nicht weiß, worum es geht. Aus Respekt vor mir und dem anderen, sollte man sich in so einem Fall immer ein Herz fassen und nachfragen.

Im Berufsleben ist so ein Aus-Schweigen unverzeihlich. Beginnt nach einer Konferenz das große Tuscheln wie „Hast Du verstanden, was der Chef meinte?“ „Weiß Du, was wir nun anders machen sollen?“, gibt es nur eine Erklärung: Hier stimmen die Umgangsformen nicht. Es kann nicht sein, dass erwachsene Menschen zu feige sind, nachzufragen. Die Angst vor der Blamage mag zwar groß sein, aber die Situation lässt sich umschiffen. Etwa durch ein „Entschuldigung, können Sie das bitte noch einmal genau erklären, ich kann das gerade nicht nachvollziehen.“ Mit diesem Satz muss der Fragende nicht riskieren, für dumm gehalten zu werden. Im Gegenteil. Unterbleiben konkrete Fragen und entstehen dadurch teure Pannen, wird es für ein Unternehmen erst schlimm.

Auch deshalb gehört es zu einer guten Führungskraft, dass sie Vertrauenswürdigkeit ausstrahlt. So viel, dass sie Fragen – vielleicht auch dusselige – als Engagement respektiert. Auch wenn sie manchmal die Faust in der Tasche machen muss. Sie müssen ehrlich nachfragen: „Gibt es noch Fragen in puncto Umsetzen?“ Oder: „Wenn Fragen auftauchen, melden Sie sich bitte“. Tabu ist: „Habe ich das nicht gerade erklärt?“ Oder: „Ich wäre Ihnen dankbar, Sie würden mir zuhören“.

Angemessene Kommunikation muss für jeden verständlich sein. Biologen, Ärzte, IT-Spezialisten – sie alle müssen ihnen vertraute Zusammenhänge herunterbrechen können und für jedermann verständlich erklären. Professionalität und Höflichkeit gehören zusammen. ...zurück


 Nettikette
Hier entsteht in Kürze eine kleine Serie "Nettikette" mit der Trainerin Elisabeth Bonneau, bekannt aus Funk, Fernsehen und Presse.
 http://bonneau.de


Business Behaviour
Business Behaviour als Buch
Seit knapp eineinhalb Jahren gibt Gabriele Schlegel - Dozentin für Etikette im Beruf an der FH Rhein/Sieg - im Handelsblatt jede Woche Tipps: Wie man am besten aus heiklen Situationen wieder herauskommt oder sie gleich umschifft, um nicht sein Gesicht zu verlieren oder andere unnötig zu verletzten. Und wie man überhaupt stets stilvoll auftritt - egal ob im Büro oder beim Business-Dinner. Diese Serie gibt es jetzt als Buch.
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Business Behaviour - Souverän Auftreten im Job. Die besten Kolumnen aus dem Handelsblatt.

Gabriele Schlegel, Claudia Tödtmann, Redline, 2005, 15,90 Euro.
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