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| Dudelsack-Technik verspricht Energierevolution |
gefunden in: spiegel-online.de vom 18.09.2007
WINDSTROM AUCH BEI FLAUTE
Dudelsack-Technik verspricht Energierevolution
Von Anselm Waldermann
Diese Erfindung könnte die Strombranche umstürzen: Eine US-Firma hat ein effizientes Verfahren entwickelt, um Windenergie zu speichern. Jetzt hoffen die Tüftler auf gewaltige Windparks, verlässlich und mächtig wie Kohlekraftwerke.
Hamburg - Ab Windstärke zehn herrscht bei E.on Hektik. In der Leitzentrale des Stromkonzerns blinken wild die Warnleuchten, die Mitarbeiter müssen innerhalb von Sekunden Dutzende Schalter umlegen. "Da steigt der Adrenalinspiegel", sagt Manfred Grupe, der Chef der Schaltleitung in Lehrte bei Hannover.
Windräder bei Cuxhaven: Bei Flaute ist die Ausbeute gleich Null
Grupe ist verantwortlich für einen großen Teil des Stromnetzes in Norddeutschland. An manchen Tagen kann er sich vor lauter Windstrom kaum retten. Überall im Land drehen sich die Windräder und drücken ihren Strom ins Netz. An anderen Tagen weiß er nicht, woher er den Strom nehmen soll, der gerade benötigt wird.
Fast 19.000 Windräder stehen in Deutschland. Wenn eine ordentliche Brise weht, erzeugen sie mehr als 20.000 Megawatt Strom - so viel wie zwanzig Kernkraftwerke. Bei Windstille dagegen ist die Ausbeute gleich Null. Für eine Industriegesellschaft kein tragbarer Zustand: Zigmillionen Verbraucher sind darauf angewiesen, dass Strom jederzeit verfügbar ist - unabhängig von der Stärke des Windes.
Seit Jahren träumen Wissenschaftler deshalb davon, die Energie des Windes zu speichern. Druckluft, Pumpspeicher, riesige Batterien - in fast alle Richtungen haben sie schon geforscht. Doch alle Methoden hatten bislang einen großen Nachteil: Beim Speichern von Strom geht massenweise Energie verloren.
...weiter zum Artikel: http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,506232,00.html
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| Klimawandel löst stärkere Hurrikane aus |
gefunden in: spiegel.de vom 21.8.06
US-STUDIEN
Von Volker Mrasek
Ist der Klimawandel und damit der Mensch mitschuldig an der Hurrikan-Rekordsaison 2005? Seit der "Katrina"-Katastrophe von New Orleans haben Experten darüber gestritten. Jetzt halten zwei US-Forscherteams die menschliche Mitverantwortung für bewiesen.
Ein knappes Jahr nach der Hurrikan-Katastrophe von New Orleans geht an der Ostküste der USA wieder die Angst um: Wird es wieder zu Wirbelstürmen kommen, die ähnlich vernichtende Wirkung erreichen wie "Katrina" und "Rita" im vergangenen Jahr? Droht eine Neuauflage der Rekord-Sturmsaison 2005?
...weiter zum Artikel:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/erde/0,1518,432613,00.html
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| Die Erde war noch nie so heiß |
gefunden in:bildung.focus.msn.de vom 23.6.06
Eine neue Studie belegt, dass die Erde heute aufgrund menschlicher Aktivitäten eine wärmere Temperatur hat als in den vergangenen 400 Jahren – ein Widerspruch zur Haltung der US-Regierung.
Die Studie des unabhängigen US-Forschungsrats (National Research Council/NRC) wurde vom US-Kongress in Auftrag gegeben. Das Ergebnis steht im Widerspruch zur Haltung der Regierung von Präsident George W. Bush: Sie hat bisher darauf beharrt, dass der Klimawandel nicht ernst genug sei, um den Schadstoffausstoß auf Kosten von Arbeitsplätzen stärker zu reduzieren. Solche verschärften Kontrollen, so argumentierte das Weiße Haus stets, könnten den Verlust von Millionen Jobs bedeuten.
weiter zum Artikel:
http://bildung.focus.msn.de/bildung/wissen/klima/news/us-kongress_nid_30889.html
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| T-Shirts zum Kompostieren |
gefunden in: handelsblatt.de vom 13.1.06
HANDELSBLATT, Freitag, 13. Januar 2006, 12:15 Uhr
Von Susanne Bergius und Hans Schürmann
Trigema-Neuheit:
Das neue T-Shirt des Sportbekleidungsherstellers Trigema kann man – wenn es denn entsorgt werden soll – getrost auf den Kompost geben. Die Fasern werden von den Pilzen und Bakterien rückstandsfrei abgebaut. Das Unternehmen wird seine Innovation, mit der es sich von den Wettbewerbern abheben will, Ende Januar bundesweit in seinen Testgeschäften anbieten.
HB BERLIN/DÜSSELDORF. „Die neuen Hemden zeichnen sich dadurch aus, dass sie sowohl für die Menschen vollkommen gesund ist als auch nützlich für die Umwelt“, sagt Michael Braungart, wissenschaftlicher Leiter des Umweltforschungsinstituts EPEA in Hamburg. Der Fabrikant aus dem schwäbischen Burladingen hat die neue Textilie gemeinsam mit dem Hamburger Institut und seinen Zulieferern entwickelt. „Insbesondere für die zunehmende Zahl von Allergikern ist das neue T-Shirt eine echte Alternative", sagt Wolfgang Grupp, Inhaber und Geschäftsführer von Trigema.
Solche naturbelassenen T-Shirts gibt es zwar schon – Hersteller von Naturtextilien bieten entsprechende Produkte schon seit längerem und weisen die Schadstofffreiheit mit entsprechenden Qualitätssiegeln nach –, mit Trigema setzt nun erstmals auch ein traditioneller Textilhersteller auf die Ökoschiene. Es sei ein allgemeiner Trend, dass sich Hersteller von Textilien versuchen, über die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte von den Wettbewerbern abzusetzen, sagt Thomas Schneider, leitender Forscher am Faserinstitut in Bremen. „Die Frage ist nur, ob der Kunde gerade auf die Kompostierbarkeit besonderen Wert legt.“
Der Chemiker und Ökovisionär Braungart hofft, „dass eines Tages alle Textilien kompostierbar sind und wieder in den natürlichen Kreislauf gelangen und der Umwelt nutzen können.“ Er hat unter anderem für die Schweizer Firma Rohner kompostierbare Posterbezüge für Bürostühle, Möbel und Flugzeugsitze und mit Beiersdorf biologisch abbaubare Polymere (natürliche und chemische Kunststoffe) entwickelt sowie britische Forscher der Universität Warwick zur Erfindung eines kompostierbaren Mobiltelefons angeregt.
Trigema-Chef Wolfgang Grupp am Firmensitz in Burladingen. Foto: dpa
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| Pflanzen produzieren gewaltige Mengen Treibhaugas |
gefunden in: spiegel.de vom 11.1.06
METHAN
Von Markus Becker
Pflanzen tun, was Biologen bisher für unmöglich hielten: Sie produzieren das Treibhausgas Methan - und zwar in einer Menge, die bis zu 30 Prozent der weltweiten Emissionen ausmachen könnte. Forscher prophezeien tiefgreifende Folgen für die Klimaforschung.
Die Lehrbücher haben eine klare Meinung, was die Produktion von Methan durch Pflanzen angeht: komplett unmöglich, solange Sauerstoff zugegen ist. Und da das bekanntlich überall auf der Erdoberfläche der Fall ist, schieden Pflanzen als Produzenten des Treibhausgases bisher aus. "Das ist sicherlich einer der Gründe, warum uns diese Entdeckung überhaupt gelingen konnte", sagt Frank Keppler vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Kernphysik. "Es ist einfach niemand darauf gekommen, dass Pflanzen Methan herstellen können. Man hat es von vornherein ausgeschlossen."
REUTERS
Abgeholzter Abschnitt des Regenwalds im Amazonasgebiet: Pflanzen produzieren Methan
Keppler und seine Kollegen aber haben nach einem ersten Verdacht genau hingesehen. Und nun könnte die Klimaforschung vor einer bedeutenden Veränderung stehen, sollten die Ergebnisse der Forscher Bestand haben. In der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Nature" schreiben sie, dass Pflanzen sehr wohl in ihren normalen Lebensräumen Methan abgeben. Und das nicht zu knapp: 60 bis 240 Millionen Tonnen des Treibhausgases setze die Flora pro Jahr frei, was bis 10 bis 30 Prozent der weltweiten Emissionen ausmache.
Zwar ändert das nichts an der Gesamtmenge der Methan-Emissionen an sich, die durch Messungen prüfbar ist. "Es wurde keine neue Methanquelle gefunden", sagte Martin Claußen vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie. Für die Berechnung von Klimamodellen sei die Entdeckung der Heidelberger Forscher jedoch "interessant und aufregend". Denn in ihnen komme es auf das Wechselspiel der unterschiedlichen Treibhausgas-Quellen an.
Fatale Wechselwirkung
Durch das Zusammenspiel von Methan und Kohlendioxid, dem wichtigsten Treibhausgas, könnte sich laut Keppler eine Rückkopplung mit fatalen Folgen ergeben. "Eine höhere Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre lässt Pflanzen schneller wachsen", erklärt Keppler im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Dadurch gelangt mehr Methan in die Luft."
FORUM
Klimaforschung - Ende der Endzeit- Szenarien?
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1172 Beiträge,
Neuester: Heute 18.49 Uhr
von Jochen Binikowski
Das wiederum lässt die globalen Temperaturen steigen, denn Methan ist als Treibhausgas 20 bis 30 Mal wirkungsvoller als Kohlendioxid und nur deshalb die Nummer zwei unter den Klimagasen, weil es in der Atmosphäre in kleineren Mengen vorkommt. Nun hat Kepplers Team auch herausgefunden, dass die Methan-Produktion der Pflanzen mit steigenden Temperaturen rasant wächst: Pro 10 Grad Celsius verdoppelt sie sich, berechneten die Forscher. Höhere Temperaturen bedeuteten deshalb automatisch mehr Methan, was wiederum für Erwärmung sorge.
Seit dem Beginn des Industriezeitalters vor etwa 150 Jahren habe sich der Methangehalt der Atmosphäre bereits verdreifacht, schreiben die Wissenschaftler in "Nature". Bekannt ist aber auch, dass die Konzentration seit einigen Jahren stagniert. Hier könnte die Theorie von Keppler und seinen Kollegen eine Lösung bieten: Allein zwischen den Jahren 1990 und 2000 habe die Erde zwölf Prozent ihrer tropischen Regenwälder verloren, was den jährlichen Methan-Ausstoß um 6 bis 20 Millionen Tonnen gesenkt habe.
Sind neue Wälder schädlich?
"Während dieses Jahrzehnts hat sich die Methan-Anreicherung in der Atmosphäre um genau 20 Millionen Tonnen pro Jahr verlangsamt", schreibt der neuseeländische Experte David Lowe in einem Begleitartikel in "Nature". Dass es da einen Zusammenhang gibt, sieht Keppler auch durch Messungen bestätigt, die schwer zu erklärende Methan-Konzentrationen über tropischen Regenwäldern ergeben haben.
Lowe sieht bereits ein "Schreckgespenst" auftauchen: die Furcht, dass durch Wiederaufforstung neu entstehende Wälder die globale Erwärmung nicht etwa bremsen, indem sie Kohlendioxid schlucken, sondern durch Methan-Herstellung gar beschleunigen.
Diese Gefahr sieht Keppler nicht: "Die Methan-Produktion der Pflanzen schmälert den Klimaeffekt ihres CO2-Abbaus um höchstens zehn Prozent." Ohnehin dürfe die Studie seines Teams nicht zu der Annahme verleiten, die Methan-Konzentration sei für die Entwicklung des Weltklimas wichtiger als die von Kohlendioxid. "Unsere Untersuchung zeigt, wie extrem die Pflanzenwelt auf Kohlendioxid reagiert", so Keppler. "Die CO2-Konzentration in der Atmosphäre bleibt das Hauptproblem."
Keppler erwartet "enorme Folgen" seiner Studie für künftige Berechnungen zur Klimaentwicklung. Sein Hamburger Kollege Claußen sieht das ähnlich. "Wir beginnen erst, Methan als interaktives Element in Klimamodelle einzurechnen", sagte er. "Auf die Diskussion, die dieser Artikel auslösen wird, darf man gespannt sein."
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| Eine neue Eiszeit in Europa ist möglich |
gefunden in: HANDELSBLATT vom 5.12.05
Klimaforschung
Von Ferdinand Knauss
Die Nachricht kam pünktlich zum Klimagipfel in Montreal. Die vom Menschen verursachte Erderwärmung könnte für Europa möglicherweise eine eisige Zukunft bedeuten.
Der Golfstrom ist schwächer geworden. Grafik: Handelsblatt
DÜSSELDORF. Die mögliche Ursache für das Paradoxon: Der Golfstrom, wissenschaftlich korrekt die Thermohaline Zirkulation (THC), ist Europas Heizung, und die ist nach neuen Messergebnissen in den vergangenen 50 Jahren um ein Drittel schwächer geworden. Wenn sie völlig ausfiele, würde es in Europa sehr schnell um etwa 5 Grad kälter. Vor allem für die Küstenstaaten hätte das verheerende sozioökonomische Folgen. Die Küste Norwegens wäre im Winter monatelang völlig vereist.
Die thermohaline Zirkulation wird angetrieben durch Dichteunterschiede, die durch Temperatur und Salzgehaltsdifferenzen verursacht sind. Im Nordatlantik wird warmes Oberflächenwasser mit hohem Salzgehalt aus niederen Breiten Richtung Nordmeer transportiert, kühlt dort ab, sinkt und strömt in der Tiefe wieder nach Süden zurück. Ob die nun festgestellte Schwächung der THC tatsächlich eine durch den Treibhauseffekt bewirkte langfristige Tendenz ist, oder noch im Rahmen einer natürlichen Schwankung liegt, kann allerdings, wie Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut für Meteorologie betont, noch nicht entschieden werden. Vor einem eisigen Horrorszenario wie in Roland Emmerichs Film „Day after Tommorrow“ fürchtet er sich nicht. „Die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass die Abkühlung die globale Erwärmung übertrifft.“ Wenn der Golfstrom langfristig so schwach bleibe, wie jetzt gemessen, werde dies Europa um rund ein Grad abkühlen, beziehungsweise die Erwärmung abschwächen. Nur ein schneller Totalausfall hätte eine starke Abkühlung Europas zur Folge.
Ottmar Edenhofer vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung macht sich weniger Gedanken um Horrorszenarien, sondern darum, was zu tun ist, um die vom Menschen verursachte Klimaveränderung zu begrenzen. „Gerade weil niemand weiß, welche genauen Folgen der Klimawandel haben wird, muss er begrenzt werden, um Katastrophen zu vermeiden. Wir können sagen, was es kostet, den Anstieg der globalen Mitteltemperatur zu begrenzen.“ Jede Tonne in die Athmosphäre geblasenes CO2 müsste 40 bis 50 Euro kosten – überall. Dann würden sich die Investitionen in die Abscheidung von Kohlenstoff von großen Kraftwerken und seine unterirdische einlagerung lohnen. Mit techniken der CSS (Carbon Capture & Storage) ist die emissionslose Verbrennung fossiler Energieträger möglich.
Das Ziel der völlig emissionsfreien Weltwirtschaft könne bis zum Jahrhundertende erreicht werden. „Für weniger als ein Prozent am weltweiten Sozialprodukt kann der Anstieg der globalen Mitteltemperatur auf zwei Grad beschränkt werden“, sagt Edenhofer. Klimaschutz und Wirtschaftswachstum können in Einklang gebracht werden. Dazu jedoch bedarf es einer globalen politischen Einigung: „Wir brauchen ein ’Kyoto Plus’ und die USA und China müssen dabei sein.“
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gefunden in: HANDELSBLATT vom 21.11.05
CO2 einfach unter den Teppich kehren
Kühltürme des Kohlekraftwerks Shengtou in China - es ist eines der größten seiner Art. Der Kohlendioxid-Ausstoß von Kraftwerken und Autos ist mit verantwortlich für den Treibhauseffekt
Der menschengemachte Treibhauseffekt bewirkt den stetigen Anstieg der globalen Temperatur. Hauptursache ist zuviel Kohlendioxid, das durch Abgase freigesetzt wird. Wissenschaftler wollen das Gas im großen Stil einfach in die Erde pumpen.
Es ist unsichtbar und geruchlos. Es entsteht bei der Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material und wenn wir ausatmen. Es ist die Grundlage für die Photosynthese der Pflanzen, bei der Sauerstoff und Zucker entsteht: Kohlendioxid (CO2). Es ist Bestandteil der Atmosphäre und allgegenwärtig, Luft enthält zu.0,03 Prozent Kohlendioxid.
CO2 hat allerdings auch den Ruf des Klimakillers. Durch den massenhaften Ausstoß von Kraftwerken, Autos oder der Industrie, nimmt sein Anteil an der Atmosphäre zu. Dies bewirkt eine Temperaturzunahme, da Kohlendioxid den Treibhauseffekt der Atmosphäre verstärkt. Um den Ausstoß zu begrenzen, haben Wissenschaftler eine kühne Vision: Sie wollen das Gas im tiefen Untergrund versenken.
Praxistauglichkeit wird getestet
Vor den Toren Berlins bereiten Forscher seit 2004 das Projekt CO2SINK vor. Ihr Ziel ist es, ab 2006 einen ehemaligen Erdgasspeicher im brandenburgischen Ketzin zu Testzwecken mit Kohlendioxid aufzufüllen. "Wir wollen mit dem Projekt zeigen, dass CO2-Speicherung im Untergrund ökonomisch und ökologisch eine Option für den Klimaschutz ist", sagt Professor Guenter Borm vom Geoforschungszentrum Potsdam, der die Arbeiten koordiniert.
Homepage des Geoforschungszentrum Potsdam: www.gfz-potsdam.de
Weitere Informationen zum Projekt CO2Sink unter: www.co2sink.org (bisher nur auf Englisch verfügbar)
Einen umfangreichen Hintergrund zum Thema in englischer Sprache gibt es beim IEA Greenhouse R&D Programme unter: www.ieagreen.org.uk
Das Potenzial der Anlagen ist nach Ansicht des Fachmanns groß, auch wenn es nicht für kleine Quellen wie Autoabgase geeignet ist. In Deutschland setzen aber allein die Kohlekraftwerke als Hauptemittenten über 250 Millionen Tonnen CO2 jährlich in die Atmosphäre frei. "Über 90 Prozent davon könnten durch die Abtrennung und Speicherung eingespart werden", betont Borm. Ob die Technik praxistauglich ist, will das Forscherteam jetzt herausfinden.
Gesteinsporen sollen das Gas speichern
Dazu soll das Gas über ein Bohrloch rund 700 Meter tief in den Ketziner Untergrund geleitet werden. "Das CO2 wird direkt in den Schilfsandstein injiziert und soll in den Poren des Gesteins gespeichert werden", erläutert der Geoingenieur. "Dort kann sich das Gas sammeln, die darüber liegenden Ton- und Lehmschichten sorgen dafür, dass es nicht entweichen kann." Zur Sicherheit werden rund um die Anlage Sensoren installiert, die die CO2-Werte überwachen. Seit über einem Jahr zeichnen die Mitarbeiter zum Vergleich die natürlichen Werte in der Region auf.
Das nötige Gas für den Großversuch kommt per Bahn oder Tankwagen tiefgekühlt nach Ketzin. Es stammt aus der Wasserstoffproduktion. "Wir müssen es vor Ort auf 35 Grad erwärmen und unter Hochdruck in den Untergrund einbringen", sagt Borm. Über zwei Jahre hinweg sollen täglich bis zu vier Lkw-Ladungen versenkt werden, das entspricht täglich rund 100 Tonnen CO2. Zum Vergleich: Ein Durchschnittsauto pustet nach Informationen von Borm jährlich etwa 1,6 Tonnen Kohlendioxid in die Umwelt.
20 Millionen kostet das Pilotprojekt
Wenn das Kohlendioxid in den Untergrund geleitet wird, beginnt für die Wissenschaftler der spannende Teil des Projekts. Mithilfe von Messgeräten in zwei weiteren Bohrlöchern analysieren sie das Geschehen im Untergrund. Dafür stehen elektrische Tomografiemethoden zur Verfügung, die Bilder aus der Tiefe liefern. "So sehen wir, wie sich die Gaswolke entwickelt", sagt Borm. Beispielsweise möchten die rund 40 beteiligten Forscher herausfinden, wie schnell sich das Kohlendioxid ausbreitet, welche Wege es untertage bevorzugt und ob es sich im vorhandenen Wasser löst. Darüber gibt es bislang nur Spekulationen. "Nur wenn wir wissen, wie sich das Gas genau in der Tiefe verhält, ist später eine kommerzielle Nutzung der Technologie möglich", unterstreicht der Fachmann.
© co2sink.org Tief in der Erde wird das CO2 gepumpt - die Poren des Gesteins sollen das Gas speichern
Das Interesse an dem Projekt ist groß. So haben sich mittlerweile 17 Partner angeschlossen. Unter ihnen sind auch Kraftwerksbetreiber. Zudem wird die Untersuchung, die fast 20 Millionen Euro kostet, von der Europäischen Union mit 8,7 Millionen Euro gefördert.
Viel Platz da unten
Ein Einsatz der Technik wäre ab 2015 denkbar - vorausgesetzt die Berechnungen der Wissenschaftler erweisen sich in der Realität als richtig. "Unsere größte Sorge ist, dass der Speicher das Gas nicht aufnimmt und wir es gar nicht unter die Erde bekommen", sagt Borm. Ist die Idee hingegen praxistauglich, könnte eine völlig neue Generation von emissionsarmen Kraftwerken und Fabriken entwickelt werden. Sie zweigen das CO2 direkt im Entstehungsprozess ab, im Idealfall würde die Tiefspeicherung direkt unter dem Kraftwerk erfolgen. "Nach unserer Kenntnis reicht der Platz in unterirdischen Speichern weltweit für Jahrhunderte", sagt Borm.
Trotz des Optimismus der Forscher beurteilen Umweltschützer den Ansatz der CO2-Speicherung auch kritisch. So wird das Projekt immer wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, dass die neue Technologie die alten Industriestrukturen hoffähig mache - und somit die Entwicklung regenerativer Energiequellen behindere. "Ich denke aber, dass ein mehrgleisiger Weg in die Zukunft der richtige ist. Unser Ansatz ist mehr eine Brückentechnologie, bis andere Methoden der emissionsarmen Energieerzeugung ausreichend zur Verfügung stehen", sagt Borm.
Mehr zum Thema
Kohlendioxid: Treibhausgas vertreibenKohlendioxid: Treibhausgas macht Meere sauerWas geschieht langfristig mit dem CO2?
Unklar ist zudem, was mit dem gespeicherten Gas geschehen soll. So hoffen die Wissenschaftler zum einen, dass sich Teile des Kohlendioxids auf natürliche Weise abbauen. Zudem setzen sie auf spätere Technologien, die den Rohstoff umweltfreundlich nutzen. Aber auch eine langsame, kontrollierte Freisetzung wäre langfristig denkbar. "Denn klimaschädigend ist CO2 nur, wenn es in großen Mengen in die Atmosphäre entweicht - wie derzeit bei Kohlekraftwerken und Raffinerien", betont Borm.
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