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| Neuer Dienst bietet Waren und Informationen aller Art |
gefunden in: handelsblatt.com vom 1.06.2006
Google vergrößert seinen Marktplatz im Internet
Neuer Dienst bietet Waren und Informationen aller Art
DÜSSELDORF. Der amerikanische IT-Konzern Google hat gestern seinen Datenbankdienst Google Base auch in Deutschland an den Start gebracht. Damit erhöht Google im Wettbewerb um die Internetsuche und das Online-Anzeigengeschäft den Druck auf Konkurrenten wie Microsoft, Ebay und Yahoo. Bei Google Base können Nutzer Informationen oder Warenangebote aller Art online stellen: Nachrichten, Jobangebote, Rezepte oder Kleinanzeigen. Die Einträge können auch über die normale Google-Suche, Google Maps sowie über die Produktsuche Froogle gefunden werden.
Mit Google Base will das Unternehmen die Möglichkeiten der Suche im Internet ausbauen. Als Konkurrenzprodukt zum weltgrößten Internet-Auktionshaus Ebay sei Google Base allerdings nicht zu verstehen, sagte Firmensprecherin Rachel Whetstone. Anders als Ebay verfügt der Datenbankdienst bislang über keine Bezahlfunktionen. Eine Herausforderung könnte der neue Dienst für Tageszeitungen und deren Kleinanzeigen-Geschäft oder für Internet-Anbieter wie den in den USA populären Kleinanzeigen-Vermarkter Craigslist werden.
In einer ersten Beta-Version ist Google Base in Europa neben Deutschland auch in Großbritannien verfügbar. Google Base startete vor einem halben Jahr in den USA und sorgte für große Unruhe. Vor allem Ebay befürchtet neue Konkurrenz. Ebay-Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck kommentierte den Schritt von Google am Freitag auf der Messe „Ebay Live“ in Düsseldorf jedoch zurückhaltend: „Das finden wir spannend, sehen aber keine Gefahr für unser Geschäft. Google ist ein ganz wichtiger Partner für uns. Das bleibt auch so.“
In der vergangenen Woche waren das Online-Auktionshaus und der Portalbetreiber Yahoo enger zusammengerückt. In einer mehrjährigen Partnerschaft wollen die Firmen künftig unter anderem bei grafischen Internet-Anzeigen, bei der Suche und bei Bezahlsystemen zusammenarbeiten. dpa/ak
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gefunden in: welt.de vom 20.1.06
Lexikon wikipedia.de ist wieder online
Heftige Diskussionen in Internet-Foren
Einen Tag nur währte die Verfügung eines Berliner Amtsgerichts, die deutsche Seite des freien Online-Lexikon Wikipedia abzuschalten. Seit gestern ist das populäre Nachschlagewerk wieder unter www.wikipedia.de zu erreichen, eine Seite, die im übrigen lediglich auf die "richtige" Adresse de.wikipedia.org weiterleitet. Die Richter folgten der Argumentation des Wikipedia-Anwalts, der die Sperrung als "unverhältnismäßig" bezeichnete, und setzten den Vollzug ihrer eigenen Verfügung außer Kraft. Nun wird darüber Anfang Februar mündlich verhandelt.
Anlaß des kuriosen Rechtsstreits ist, wie berichtet, ein Lexikon-Eintrag über den vor sieben Jahren verstorbenen Berliner Hacker "Tron". Dessen Eltern machen Persönlichkeitsrechte geltend und wollen angeblich erreichen, daß "Trons" bürgerlicher Name aus diesem Lexikon verschwindet. Sie erwirkten dagegen schon im Dezember eine Verfügung gegen Wikipedia in St. Petersburg im US-Bundesstaat Florida, die das Gericht zunächst versehentlich nach Rußland schickte. Später versuchten die Angehörigen zumindest den Zugriff aus Deutschland zu verkomplizieren, indem sie gegen www.wikipedia.de vorgingen.
Falls es "Trons" Eltern tatsächlich um die Anonymität ihres Sohnes gegangen ist, so haben sie mit der Aktion vorerst das Gegenteil erreicht. Seit zwei Tagen wogt in den Internet-Foren wieder die Debatte, in der auch der Realname auftaucht. In Vergessenheit geratene Seiten wie etwa die virtuelle Gedenkstätte www.tronland.de bekommen neue Besucher, die dort Fotos und Lebensgeschichte ansehen können. Nicht zuletzt weckt der Mythos des Hackers, der seinerzeit Premiere- und Telefoncard-Verschlüsselungen geknackt haben soll, neues Interesse, zumal manche im amtlich festgestellten Freitod ein Mordkomplott sehen.
Nicht zuletzt Juristen gibt das Thema neuen Stoff zum Grübeln. Daß ein deutsches Amtsgericht Verbote in Florida zu exekutieren versucht, ist mindestens ebenso bemerkenswert wie die Frage, ob ein sachlich richtiger Lexikon-Eintrag "rechtswidrig und schuldhaft das Ansehen des Verstorbenen" verletzt, wie es in einem Juristen-Blog heißt.
Für Wikipedia, das von der weltweiten Netzgemeinschaft selbst geschrieben und redigiert wird, ist es im übrigen nicht die erste Kollision mit Landesgesetzen. Im deutschsprachigen Lexikon landeten zuletzt zahlreiche Einträge, die unter Verstoß gegen das Copyright aus einem anderen Nachschlagewerk hineinkopiert waren. chs
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gefunden in: orf.at vom 19.1.2006
Die deutsche Domain Wikipedia.de ist derzeit "außer Betrieb" - eine einstweilige Verfügung untersagt den Betreibern, auf die deutsche Wikipedia-Version zu verlinken. Hintergrund ist ein Streit um die Identität eines Hackers, der 1998 zu Tode kam.
Die deutsche Web-Adresse der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia ist wegen eines Streits über die Namensnennung des verstorbenen Hackers "Tron" derzeit "außer Betrieb".
Es sei ihnen per einstweiliger Verfügung bis auf weiteres untersagt worden, von Wikipedia.de auf die deutschsprachige Fassung zu verlinken, teilte der Verein Wikimedia Deutschland am Donnerstag mit. Unter der Adresse de.wikipedia.org ist die Enzyklopädie aber weiterhin in deutscher Sprache erreichbar.
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| Wikipedia feiert Geburtstag |
gefunden in: mdr.de vom 15.1.06
Das Internet-Lexikon Wikipedia wird heute fünf Jahre alt. Auf den Seiten der kostenlosen Enzyklopädie kann man inzwischen mehr als 340.000 deutsche Artikel nachschlagen. Das Lexikon war am 15. Januar 2001 von den US-Amerikanern Larry Sanger und Jimmy Wales gegründet worden. Unter Mithilfe aller Internetnutzer sollte die größte Wissenssammlung der Welt entstehen. Jeder angemeldete Benutzer kann Artikel hinzufügen oder verändern. In der Vergangenheit geriet Wikipedia immer wieder wegen falscher Einträge in die Kritik. Trotzdem lobte das britische Wissenschaftsmagazin "Nature" das Gratis-Lexikon. Viele Artikel seien denen in der Encyclopaedia Britannica ebenbürtig.
zuletzt aktualisiert: 15. Januar 2006 | 17:39
gefunden in: tagesspiegel.de vom 15.1.06
16.01.2006
Du weißt etwas, das ich nicht weißDas offene Internet-Lexikon Wikipedia besteht seit fünf Jahren – aller Kritik zum TrotzVon David Finck
Was kommt dabei heraus, wenn ein paar Tausend Menschen in einem System zusammenarbeiten, das niemand regiert, das sich selbst verwaltet und in dem jede Meinung zählt? – Bestenfalls nichts, würde man vermuten. Ansonsten: Chaos, Mord und Totschlag. Die Gattung Mensch hat keine gute Meinung von sich selbst.Die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia folgt genau diesem Prinzip freier Selbstverwaltung. Hobbyköchin Erna B. aus Gelsenkirchen schreibt einen Artikel über Kurkuma und verrät, dass es ein wesentlicher Bestandteil des Currypulvers ist, als Farbstoff dient und gut schmeckt. Währenddessen gibt Dr. Siegfried F. sein Wissen über Phänomene der Quantenmechanik weiter und debattiert auf der dazugehörigen Diskussionsseite mit einem vermeintlichen Kollegen darüber, ob der Stuhl, auf dem er zu sitzen glaubt, in Wirklichkeit nicht ganz woanders steht. Dieser Kollege ist in Wahrheit eine Kollegin und heißt Erna B.; soeben hat sie den von Dr. Siegfried F. verfassten Absatz um zwei Rechtschreibfehler erleichtert, einen Satz gelöscht und zwei hinzugefügt. Wer jetzt vermutet, dass Dr. Siegfried F. sich so etwas niemals gefallen lassen würde, hat nicht verstanden, welchem Geist das Projekt entsprungen ist.Vor fünf Jahren wurde die englischsprachige Wikipedia von Jimmy Wales und Larry Sanger gegründet. Zunächst war ein herkömmliches Lexikon geplant, mit Redaktion und Chef. Die Wikipedia sollte nur eine Vorstufe sein, eine Materialsammlung für das eigentliche Lexikon – gewann aber so schnell an Fahrt, dass sie Redaktion und Chefs an die Wand spielte. Heute gibt es die Wikipedia in mehr als hundert Sprachen, die magische Zahl von einer Million Artikel ist längst geknackt. Umfasste die deutsche Ausgabe am 13. Juni 2004 noch hunderttausend Artikel, sind es heute 334 000 – eine riesige Enzyklopädie, geschrieben von Freiwilligen, die ihr Wissen zusammentragen, wie Erna und Siegfried miteinander diskutieren und sich gegenseitig korrigieren. Aus Spaß an der Sache. Ohne Chef. Bei einem solchen Projekt kann nichts herauskommen, meinen seine Kritiker. Und die Ereignisse der letzten Zeit scheinen ihnen Recht zu geben. In Deutschland gibt es 18 344 angemeldete Wikipedianer plus eine weit höhere Dunkelziffer von „Schwarzarbeitern“. Denn eine Anmeldung ist nicht notwendig, um mitarbeiten zu können. So passierte, was nach gängiger Meinung passieren musste: Das Nachschlagewerk verbreitete Falschmeldungen. Ein Mitbegründer der Zeitung „USA-Today“ wurde mit den Kennedy-Morden in Verbindung gebracht. Es dauerte vier Monate, bis der Schwindel aufflog. Jemand hatte einen Arbeitskollegen auf den Arm nehmen wollen, die Wikipedia als Gag betrachtet, den niemand ernst nehmen könne. Und ein Züricher Professor wurde einen Tag nach Bekanntgabe der Prüfungsergebnisse in der Wikipedia für tot erklärt. Fünf Tage später durfte er wieder unter die Lebenden zurückkehren. In der amerikanischen Ausgabe sollen in Zukunft nur noch angemeldete Anwender neue Artikel online stellen dürfen. Schon sehen Wiki-Gegner das kostenlose Nachschlagewerk am eigenen Erfolg ersticken. Der Vertrauensvorschuss sei verspielt, das Gutmenschen-Projekt gescheitert. Denn welchen Wert hat eine Wissensquelle, deren Inhalte nicht notwendig „wahr“ sind? Wer will einen Satz von Dr. Siegfried F. zitieren, an dem eine Erna B. aus Gelsenkirchen herumgepfuscht hat? Die Wikipedia hat die Schwächen ihrer Zuverlässigkeit nie geleugnet. Das muss sie auch nicht: Zum einen kann sie als ausweislich freies Lexikon von ihren Benutzern ein kritisches Bewusstsein verlangen. Zum anderen beweisen die zu Skandalen stilisierten Ereignisse viel weniger das Versagen der Wiki als ihre Stärke. Gerade ihre Fähigkeit zur Selbstreinigung ist einer der Grundpfeiler des funktionierenden freien Wissensaustauschs. Und jedem Akt der Selbstreinigung geht logisch ein Fehler oder ein Dummer-Jungen- Scherz voran.Wer im Informationszeitalter an hundertprozentige Wahrheiten glaubt, sitzt einer jener Fortschrittsillusionen auf, die jede Epoche mit den ihr eigenen Mitteln hervorbringt. Der unbedingte Wunsch nach Gewissheit ist ebenso menschlich wie utopisch. In einem Vergleich des Wissenschaftsjournals „Nature“ zwischen der Encyclopaedia Britannica und der Wikipedia hat Letztere nur knapp verloren. Mit Chaos, Mord und Totschlag hat dieses Ergebnis jedenfalls nichts zu tun. Viel eher ist es ein Grund, den Hut zu ziehen. Denn es darf nicht vergessen werden, dass die Encyclopaedia Britannica im Jahr 1768 gegründet – und seitdem immer wieder überarbeitet wurde. Die Wiki hingegen erst vor fünf Jahren und einem Tag. Wenn die Angaben stimmen.
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