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08/09 2006
 "See" aus CO2 auf dem Meeresboden
gefunden in: Handelsblatt Nr. 173 vom 07.09.06 Seite 9

"See" aus CO2 auf dem Meeresboden

DÜSSELDORF. Eine deutsch-japanische Forschergruppe hat vor der Ostküste Taiwans in 1300 Meter Tiefe einen untermeerischen "See" aus flüssigem Kohlendioxid (CO2) entdeckt. Fumio Inagaki von der Japan Agency for Marine Earth Science and Technology in Yokosuka und Marcel Kuypers vom Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie in Bremen berichten darüber in der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" .

Die Forscher sehen die Entdeckung dieses extremen Lebensraums als Glücksfall an, denn er erlaubt, den Einfluss von flüssigem Kohlendioxid auf das Tiefseeökosystem genau zu studieren. "Wir fanden durch Zufall dieses Wunder in der Tiefsee", sagte Max-Planck-Forscherin Antje Boetius.

Mit einem Tauchboot untersuchten die Deutschen und Japaner das Meeresgebiet auf unbekannte Lebensformen und konnten wie erwartet einen negativen Effekt des Kohlendioxids auf die mikrobielle Biomasse (einzellige Kleinstlebewesen) bestätigen: In der Nähe der Grenzschicht zwischen Kohlendioxid-See und Umgebungswasser sank die mittlere Mikrobendichte von 1 Milliarde Zellen pro Milliliter auf 10 Millionen. Die Forscher bemerkten auch die Abwesenheit von Tieren auf dem Meeresboden über dem Kohlendioxid-See. Dafür hatten sich dort mikrobielle Spezialisten angesiedelt, die diesen als Kohlenstoffquelle anzapfen können. Kohlenstoff ist zentraler Bestandteil aller organischen Verbindungen.

Kohlendioxid ist ein "Treibhausgas", das heißt, es wirft einen Teil der Wärmeausstrahlung der Erde auf diese zurück. Seine Konzentration in der Atmosphäre hat sich seit etwa 150 Jahren durch menschliche Aktivitäten stark erhöht, was der Grund für das weltweite Ansteigen der Temperaturen ist. Unter hohem Druck und tiefer Temperatur, wie sie am Meeresgrund herrschen, verflüssigt sich das Gas beziehungsweise "gefriert" zum CO2-Hydrat, so dass es nicht mehr in die Atmosphäre aufsteigen kann. Diese Eigenschaft erscheint manchen als Mittel gegen die steigende CO2-Konzentration in der Atmosphäre. Es gibt daher Pläne, das Gas in den Ozeanen zu versenken.

Die Forscher um Fumio Inagaki planen nun weitere Untersuchungen des Kohlendioxid-Sees im Rahmen einer Forschungsfahrt. Die Herausforderung wird dabei sein, die physikalischen, chemischen und biologischen Auswirkungen der CO2-Ansammlung in situ, das heißt direkt am Meeresboden, zu untersuchen, da sich das Gas beim Bergen der Proben schnell verflüchtigt und das die chemische Zusammensetzung der Probe und auch die mikrobiellen Prozesse stark verändern könnte. fk

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