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| Zum Tod des wissenschaftlichen Phantastikers Stanislaw Lem |
gefunden in: nzz.ch vom 28.3.2006
Neue Zürcher Zeitung
Die Realität des Möglichen
Zum Tod des wissenschaftlichen Phantastikers Stanislaw Lem
Zeitlebens betrachtete Stanislaw Lem, der am Montag im Alter von 84 Jahren bei Krakau gestorben ist, die Welt als zufällige Realisierung eines biologischen Seins, die geradesogut auch anders oder überhaupt nicht hätte stattfinden können. Allein mit dieser Einsicht wäre Lem jedoch kaum zum meistübersetzten polnischen Autor avanciert: Seine epochale Leistung liegt in der Ausarbeitung eines - in allen Wortbedeutungen - phantastischen uvres, das dem Genre der Science-fiction zu literaturwissenschaftlicher und philosophischer Anerkennung verholfen hat.
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| Preis der Leipziger Buchmesse |
gefunden in: rp-online.de vom 22.3.2006
Ausschnitt aus dem Artikel:
Buchmesse schließt mit Besucherrekord
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Preis der Leipziger Buchmesse
Den zum zweiten Mal vergebenen "Preis der Leipziger Buchmesse" erhielten in der Kategorie Belletristik
Ilija Trojanow ("Der Weltensammler"), in der Kategorie Sachbuch/Essayistik
Franz Schuh ("Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche") und in der Kategorie Übersetzung
Ragni Maria Gschwend (für die Übersetzung von Antonio Morescos "Aufbrüche"). J
uryvorsitzender Martin Lüdke vom Südwestrundfunk zeigte sich davon überzeugt, dass der Preis "sich endgültig in Deutschland etabliert" hat.
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gefunden in: netzeitung.de vom 11.1.06
Mein Literaturpapst 11. Jan 07:26
Berufswunsch: Literaturkritiker
Foto: MDR
Der Ehrendoktor der FU Berlin für Marcel Reich-Ranicki ging an einen, der neun Jahre in der Stadt gelebt hatte. Der Kolumnist hat sich auf die Spurensuche gemacht.
Von Michael Angele
1929 zog Marcel Reich von Wloclawek an der Weichsel nach Berlin. 1938 wurde er nach Warschau deportiert. Mitnehmen durfte er ein einziges Buch, Die dreißigjährige Frau von Balzac, ein Buch, das ihn auch noch langweilte.
Bücher, Prolog
Bücher waren es, die diese neun Berliner Jahre prägten. Kaum eine Seite aus den Berlin-Passagen seiner Autobiographie Mein Leben, die nicht auch von ihnen handelten. Er bekommt sie von Bekannten, die emigrieren, er bespricht sie mit einem Lehrer, der kein Nazi ist, er holt sie aus den Stadtbibliotheken in Schöneberg und Wilmersdorf.
Bis heute sind Bücher für Marcel Reich-Ranicki existenziell wichtig geblieben. Er lebt in, mit, auf und unter ihnen. Die guten lobt er in den Himmel, die schlechten wünscht er in die Hölle. Man schaut ihm gerne zu. Aber für die meisten, die ihm zuschauen, haben sie schon nicht mehr diese Bedeutung.
Für ihn sind Schriftsteller eminent wichtige Menschen. Für die Gesellschaft sind sie es immer weniger.
Er ist der letzte seiner Art.
Berlin, im Jänner
Ich steckte Mein Leben, das ich wieder einmal zur Hand genommen hatte, in die Manteltasche, stieg in die U-Bahn und fuhr dem Haus entgegen, in dem Marcel Reich mit seinen Eltern bis 1938 gewohnt hatte.
«Wilmersdorf, Blissestraße, 53» hatte ich auf einen kleinen Zettel notiert,
Ich lief die Blissestraße entlang, kam an den Eva-Lichtspielen vorbei, die es schon seit 1914 gibt und die in ihrer Reihe «der alte Deutsche Film» zeigen wollen, dass während des dritten Reichs nicht nur Schund gedreht wurde.
Die Straße stieg ein wenig an, es ging an Internetläden und Reisebüros vorbei und je näher die 53 kam, desto häufiger wurden die Geschäftsaufgaben, es war saukalt, ich hatte Grippe.
Da ein Laden: «Sprachen», Audio, Video, Buch. Leer. Was für ein Sinnbild.
Daneben ein Elektroladen, dessen Schaufenster so Mitleid erregend aussah, dass ich rein ging und eine 75 Watt Birne kaufte, für die ich keine Verwendung fand.
Endlich stand ich vor dem Haus, und mich fröstelte noch mehr, das sah ja aus wie aus der Nazizeit, diese kleinen Fenster. Ein mittelalterlicher Mann trat aus der Türe, Typ Rechtsanwalt mit «Spiegel»-Abo, und ich fragte ihn, ob er wisse, dass hier Marcel Reich-Ranicki gelebt habe. Seine Augen leuchteten («Spiegel»-Abo!), nein, das habe er nicht gewusst.
In diesem Haus könne Reich-Ranicki aber nicht gewohnt haben, denn es sei erst 1940 gebaut worden. Also wurde das Haus, in dem Marcel Reich-Ranicki gewohnt hatte, kurz nach dem er aus der Stadt vertrieben wurde, abgerissen. Unglaublich.
Nun wurde nach dem Krieg gelegentlich die Nummerierung einer Straße geändert. Aufs Katasteramt konnte ich am Samstag natürlich nicht. Aber am Montag sollte ja ein «Pressegespräch» stattfinden. Ihn also selbst fragen.
In einer kalten Sternennacht
«Was fragen Sie?» rief er.
Noch eingeschüchtert von den Generälen der Alliierten, die in dem Saal getagt hatten, hatte ich die Frage leise und undeutlich gestellt. «Wo soll ich gewohnt haben?» «Blissestraße?» «Nein, Güntzelstraße 53.» «Ja, das Haus steht noch. Ich war wieder in der Wohnung.»
Soweit die Worte, die er an mich richtete.
Alles falsch, keine einsamen Lichtspiele, kein längst verschwundenes Bildungsbürgertum, keine Naziabrisshohlbirne, nein, an dieser Stelle nicht. Ich hatte die falsche Adresse notiert, besser gesagt, eine unvollständige, denn mit «Blissestraße» war die U-Bahnstation gemeint.
Er sprach weiter. Über seine Feinde, mit denen er sich ausnahmslos versöhnen würde, ja, auch mit Joachim Fest, aber der wolle ja nicht mit ihm, über den jungen Lyriker Ostermaier, den er für ein sehr großes Talent halte, und über den Kritikerkollegen Baumgart, der ganz entsetzliche Romane schreibe, im Gegensatz zum jungen Schriftsteller Kehlmann, der ganz hervorragende schreibe, und über vieles mehr sprach er, fit war er und Teofila saß auf dem Sofa und es war gut.
Klar, dass die FU ihn nun mit seinem siebten Ehrendoktor würdigte, war etwas durchsichtig. Ins Hintertreffen geraten, will sie sich halt bemerkbar machen, wo sie nur kann, dabei müsste ihn viel eher die Humboldt-Universität ehren, denn sie, die damals Friedrich-Wilhelm-Universität hieß, war es doch, die 1935 sein Immatrikulationsgesuch abgelehnt hatte.
Aber gut, nun wollte ich wissen, wie es in der Güntzelstraße 53 aussah.
Gegen Abend fuhr ich hin, fuhr einer kalten klaren Sternennacht entgegen, der Fischhändler in der 42 hatte schon um 17 Uhr zugemacht, das beunruhigte mich kurz, kam an der Fleischerei Bachhuber und der Weinhandlung Buhm vorbei, und stand endlich vor der 53, einem hübschen Jugendstilbau.
Im Haus gleich daneben entdeckte ich die «Pension Finck. Fahrstuhl 3. Etage».
Ich fuhr hoch, quartierte mich ein , zog Mein Leben aus der Manteltasche und las darin weiter.
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