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24/07 2006
 Kraftakt bei den Bayreuther Festspielen
gefunden in: ww.hna.de/kulturindex  vom 23.7.06
Was treiben die Götter heute?
Kraftakt bei den Bayreuther Festspielen: Die vier Teile des "Ring des Nibelungen" werden neu inszeniert
 
Von Werner Fritsch
Bayreuth. Es ist ein Ritual: Morgen werden in Bayreuth wieder tausende Schaulustige am Grünen Hügel Spalier stehen, um die Ankunft der prominenten Premierengäste zu beklatschen. Damit beginnen, wie in jedem Jahr, die Bayreuther Festspiele, das besondere unter den wichtigsten Musikfestivals dieser Welt.
Besonders sind die "Richard-Wagner-Festspiele" (so der offizielle Name) deshalb, weil sie ausschließlich diesem Komponisten gewidmet sind, der sie an diesem Ort 1876 selbst ins Leben gerufen hat. Bis heute ist die Leitung der Festspiele in der Hand der Familie Wagner geblieben. Seit 1951 ist Wolfgang Wagner (86), Enkel des Komponisten, Festspielleiter. Mehr noch: Er ist der alleinige Herrscher auf dem Grünen Hügel. Wir geben einen Überblick über die Festspiele in Stichworten. Der Ring des Nibelungen: Richard Wagners Weltensaga "Der Ring des Nibelungen", ein 16-stündiges Mammutwerk, aufgeteilt in vier Opern, stand am Anfang der Festspiele. Für den "Ring" wurde das Festspielhaus gebaut, und mit dem Vierteiler, bestehend aus "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung", wurden 1876 die Festspiele unter Richard Wagners Leitung ins Leben gerufen. Etwa alle zehn Jahre kommt in Bayreuth eine Neuinszenierung des "Rings" auf die Bühne. Dieses Großereignis mit vier aufeinander folgenden Premieren steht in diesem Jahr wieder an. Die Macher: Ursprünglich hatte Festpielchef Wolfgang Wagner die Inszenierung dem dänischen Filmemacher Lars von Trier ("Dogville", "Manderlay") übertragen. Als der aus bisher ungeklärten Gründen absagte, übertrug Wagner die Aufgabe dem Dramatiker und Büchner-Preisträger Tankred Dorst (80). Dorst hat sich in Stücken wie "Merlin" (1981) und "Parzival" (1987) mit mythischen Stoffen beschäftigt, allerdings noch nie zuvor eine Oper inszeniert. Musikalisch wird der neue "Ring" von Christian Thielemann (47) geleitet. Der Chefdirigent der Münchener Philharmoniker hat seit 2000 verschiedene Produktionen in Bayreuth betreut. Er gilt als Wagner-Spezialist, der den "dunklen deutschen Ton" pflegt, und ist in Bayreuth Publikumsliebling. Das Konzept: Jedesmal die große Frage: Wie geht die Regie mit dem "Ring"-Epos, mit seinen Göttern und mythischen Figuren um? Tankred Dorst sagt, sein "Ring" werde in einer heutigen Welt spielen. Am Rande der Zivilisation würden sich die Götter und Halbgötter als fremdartige Gestalten einnisten. Dahinter stehe die Frage, welche Realität wir wahrnehmen und welche nicht. Das Programm: Eröffnet werden die Festspiele mit der Wiederaufnahme des "Fliegenden Holländers", es folgen die "Ring"-Premieren sowie die Wiederaufnahmen von "Tristan und Isolde" und "Parsifal".
Alle Bayreuther Vorstellungen sind ausverkauft. Live überträgt Bayern 4 die "Ring"-Premieren im Radio: Rheingold: 26.7., 17.55 Uhr, Walküre: 27. 7., Siegfried: 29.7., Götterdämmerung: 31.7. (jeweils 15.55 Uhr). NDR Kultur bringt Aufzeichnungen am 29. und 30.7. sowie 5. und 6.8., HR 2 sendet am 4., 5. und 12.8. die ersten drei "Ring"-Opern.
23.07.2006
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04/04 2006
 Kopfstand im Dreivierteltakt
gefunden in: tagesspiegel.de vom 4.4.2006

Kopfstand im Dreivierteltakt
Kammerspiel-Glück für den „Rosenkavalier“: Der Dirigent Kirill Petrenko verzaubert die Komische Oper Berlin

Von Christine Lemke-Matwey
Dieser Abend ist eine Sensation. Als tanzte die ganze große müde Stadt plötzlich Walzer. Als fiele ihr und uns wie Schuppen von den Augen, was wir schon immer wussten und woran wir bloß nicht mehr zu glauben wagten. Aus Mattigkeit, aus kleingestricktem Herzen. Die Zeit, so singt es einem mit Hofmannsthal nächtens in der Seele, die ändert doch nichts an den Sachen. Was also soll uns, ha!, das ganze Weh und Ach, was fürchten wir uns vor Ekel-Theater und sozialer Verblödung: Die Oper, wenn sie so selbstverständlich selbstbewusst und bescheiden daherkommt wie in diesem „Rosenkavalier“ an der Behrenstraße, wird uns retten. Als letzte, erste Herausforderung. Wir müssen nur ein bisschen wollen.
...mehr:  http://archiv.tagesspiegel.de/archiv/04.04.2006/2451784.asp
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